Dienstag, 5. Februar 2013

Wo sind all die Vorsätze hin?


Jedes Jahr das Gleiche.
Ich wohne in der Nähe eines Waldes, an einer beliebten Joggingstrecke. Jedes Jahr im Januar erhöht sich die Zahl der Menschen, die sich schnaufend am Haus vorbei quälen schlagartig.
Ich kann immer genau sagen, wer der untrainierte Joggingneuling ist und wer der erfahrene Läufer. Du siehst es am Laufstil, an der (viel zu schnellen) Geschwindigkeit, an den blitzend neuen Sportklamotten.

Und jetzt, im Februar?
Naja, das ist auch wie in jedem Jahr.
Sie sind weg, die neuen Jogger, wie vom Erdboden verschluckt.
Ich habe mich gefragt, ob sie nur nicht mehr auffallen, weil sie ökonomischer laufen, dem eigenen Können angepasster, weil die Kleidung nicht mehr neu ist?
Mitnichten.
Sie sind einfach weg, haben sich wieder auf ihre kuscheligen Sofas zurückgezogen, haben festgestellt, dass Joggen doch nicht der richtige Sport für sie ist, dass das Wetter schmuddelig ist und viel zu kalt für Sport, dass es ja schon Februar ist und der gemeine Neujahrsvorsatz damit sein Haltbarkeitsdatum überschritten hat.

Richtig.

Neujahrwünsche halten, das ist jedenfalls meine ganz eigene Beobachtung, längstens 4 Wochen.

Du glaubst mir nicht?
Werfen wir einen kurzen Blick in mein Trainingsstudio.
Ja, da ist es nie leer.
Und ja, da gibt es immer wieder neue Leutchen.
Aber auch ja – da gibt es im Januar einen rasanten Anstieg von Neulingen, die zum 1., 2., 3. Training noch brav kommen – und die dann verschwinden. Die den Vertrag doch nicht unterschreiben. Die ihn für ihr gutes Gewissen unterschreiben (Denn wenn man für etwas zahlt, dann bekommt man ja automatisch etwas dafür, nicht?). Die...keine Ahnung, erst einmal neue Sportklamotten kaufen müssen?

Ich gebe offen zu, ich bin nicht die Expertin für Neujahrvorsätze. 
Ich mache schlicht keine. 
Dafür entscheide ich, was ich im alten Jahr zurücklassen möchte, welchen Ballast, welche schlechten Eigenschaften ich also nicht mitnehmen möchte in das neue Jahr. Da ist kein Unterschied zu den Vorsätzen? Doch, Liebes, da ist ein gewaltiger Unterschied.
Ich nehme mir nichts vor, ich lasse zurück.
Ich mache es mir selbst leichter, neue Dinge anzugehen, ohne diese ‚Dinge’ irgendwie zu benennen. Oder sie zu kennen. Ich lasse das neue Jahr auf mich zukommen und wenn mich etwas stört, dann ändere ich es. Wann immer es mir auffällt. Wann immer es sich richtig anfühlt, es zu ändern.

Hast Du das auch schon einmal erlebt?
Dich stört etwas grundsätzlich in Deinem Leben, eine Angewohnheit, eine Eigenschaft, ein Zustand, ein was-auch-immer und auf einmal, da ist der Moment da, in dem Du WEISST, dass sich das jetzt ändern wird. Weil es sich richtig anfühlt. Weil Du gar nicht mehr anders kannst. Du beschließt nicht, es irgendwann zu ändern, sondern der Moment der Veränderung ist JETZT. Du könntest diese Änderung gar nicht bis zum Tag X verschieben, auf ein Datum, eine Gelegenheit warten, weil der richtige Moment da ist.

Du kennst das?
Ja?
Nein?
Wenn Deine Antwort ‚Ja’ lautet, nun, dann weißt Du bereits, dass eine Änderung, die ab einem bestimmten Datum eintreten soll, ziemlich unwahrscheinlich ist, nicht?
Deine Antwort ist ‚Nein’? Dann, Liebes, hast Du etwas verpasst. Macht nichts, das kommt noch.

Um mich herum habe ich viele Menschen, die genau das brauchen, das Warten auf den Tag X.

‚Ab dem neuen Jahr esse ich keine Süßigkeiten mehr – dafür jetzt aber umso mehr, schließlich darf ich dann nicht mehr.’
Kein Scherz, das habe ich im Dezember erlebt. Sprach’s und nahm noch einmal locker 1 ½ kg zu, die dann ab dem Januar zusätzlich abgenommen werden sollten. (Muss ich erwähnen, dass das Haltbarkeitsdatum dieses Vorsatzes bereits überschritten und der Vorsatz in die Mülltonne gewandert ist? Nein, bestimmt nicht.)

‚Ab nächstem Monat werde ich nicht mehr rauchen – jetzt gleich aufzuhören wäre verrückt, ich hab schließlich noch zwei Päckchen Zigaretten hier!’
Ja, Du ahnst es, das hat auch nicht geklappt.

‚Ab nächstem Jahr werde ich gesünder essen, mehr trinken und mehr Sport treiben.’
Ja...sicher. Netterweise sind diese Vorsätze schon so schwammig formuliert, dass man sich sicher bis in den März hinein einreden kann, man würde sich dran halten ;-).

Bist Du auch so?
Du möchtest ja etwas ändern aber eben nicht gleich, lieber noch ein bisschen warten, man muss es ja nicht übertreiben... Das wird nicht klappen. So ungern ich es Dir sage, aber das wird nichts. Auf diese Weise schaffen es nur die aller-, aller-, ALLERwenigsten Menschen, grundlegende und langfristige Änderungen in ihr Leben zu bringen.
Wieso?
Weil Du, wenn Du es so angehst, innerlich einfach noch nicht bereit bist für diese Veränderung. Weil es Dich nicht drängt, SOFORT etwas zu ändern. Weil es das berühmte ‚Klick’ im Kopf noch nicht gegeben hat.

Der beste Moment, etwas in Deinem Leben zu ändern, der ist JETZT. Ja, genau jetzt, wo Du vor irgend einem Bildschirm sitzt und diesen Post liest.
Etwas zu ändern im Leben, das heißt, sich in jedem Moment anders zu entscheiden, als man es bisher getan hat. Als ich es getan habe, als Du es getan hast.
Das ist anstrengend, zumindest am Anfang. Es lohnt sich aber, glaub mir und es wird sehr schnell sehr viel leichter.

Oh und es ist sehr hilfreich, sich bewusst zu machen, dass es sowieso nur einen einzigen Moment in unserem Leben gibt, den wir ändern müssen, überhaupt ändern können.
Das ist JETZT.
Über das, was bereits passiert ist, habe ich keine Macht. Ich kann das nicht mehr beeinflussen, ich kann mich nicht anders entscheiden.
Das, was passieren wird, kann ich auch nicht bestimmen. Ja, ich kann einige Weichen stellen, aber es ist im Grunde nicht meine Entscheidung.
Ich muss mir also keine Gedanken darum machen, was war und was sein wird. Ich kann mich auf diesen Moment jetzt konzentrieren. Ich muss keine weltbewegenden riesigen Veränderungen stemmen, ich kann mich auf die kurze Zeitspanne konzentrieren, die ich tatsächlich ändern kann.

Also, um beim Beispiel der Süßigkeiten zu bleiben, ich kann nicht ändern, dass ich gestern Abend eine Tafel Schokolade gegessen hab. (Nur als Beispiel, so viel auf einmal schaff ich zum Glück nicht ;-).)
Ob ich morgen eine Tafel essen werde, naja, da kann ich mir alles mögliche vornehmen, aber ich weiß es schlicht nicht.
Ich kann allerdings beeinflussen, dass ich JETZT keine Schokolade esse.

Wenn Du Dir das zu Herzen nimmst, dass Du immer nur dieses kurze, überschaubare Jetzt änderst, dann ist es auf einmal ganz leicht.
Du musst Dein Leben nicht völlig umkrempeln, Du musst Dich nur jetzt im Moment anders entscheiden. Das ist keine riesige Aufgabe, das geht.
Jetzt keine Schokolade essen.
Jetzt ein großes Glas Wasser trinken.
Jetzt den Keks aus der Hand legen und statt dessen nach dem Apfel greifen. Oder doch wieder nach dem Keks, das dann aber bewusst.
Jetzt die Laufschuhe anziehen und eine Runde joggen. Nein, nicht über das Wetter nachdenken oder über die Krimiserie, die Du lieber sehen würdest. Raus mit Dir!
Jetzt die Zigarette weglegen.
Jetzt...Du hast das Prinzip verstanden ;-).

All die kleinen Jetzt-Momente, die Entscheidungen, reihen sich zu einer Schnur aneinander und am Ende...TADAAA! Einen Tusch! Hast Du es geschafft. Du hast etwas geändert. Du hast eine ganze Weile keine Süßigkeiten gegessen. Und wenn Du es einen ganzen Tag lang geschafft hast, das ist doch TOLL!!
Das ist ein Anfang und morgen kannst Du Dich dann wieder entscheiden. Immer nur in dem klitzekleinen Jetzt.

Also...wenn Du etwas ändern willst, dann warte nicht auf irgend einen Zeitpunkt. Wenn Du etwas ändern willst, wirklich ändern willst, dann tu es JETZT. Ändere das, was Du ändern kannst in dem einzigen Moment, in dem Du etwas ändern kannst. Konzentrier Dich auf all die kleinen Jetzt-Einheiten, geh jeden Schritt der Veränderung bewusst und sei stolz auf Dich! Mach Dich nicht fertig, wenn Du einmal keinen Schritt vorwärts gehst, Du kannst Dich schon im nächsten Moment wieder neu entscheiden ;-).

Und jetzt? Was machst Du? Rein in die Sportklamotten oder müssen die bis nächsten Januar auf Dich warten ;-)?

Sei mutig. JETZT.
Liebst,
Sabine

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