Donnerstag, 11. April 2013

Ein Hoch auf das Nein

Mein unfassbar süßer Neffe hat kürzlich die wundersame Wirkung eines Wortes entdeckt.
Eines wahren Zauberwortes.
Er ruft es in die Welt hinaus und die ändert sich.
Zumindest ein bisschen.
Wenn es gut läuft.
(Wenn nicht, dann läuft es so gar nicht mehr gut, aber das ist eine ganz andere Geschichte ;-)...)

Welches Wort ich meine?
Ach, das hast Du doch sicher schon erraten, längst.

Das hübsche kleine Wörtchen heißt: Nein.

‚Nein’ ist eine Wunderwaffe, ‚Nein’ grenzt mich von allen anderen ab, ‚Nein’ ist klar und deutlich und drückt meine Meinung aus.

Tut es das?
Beziehungsweise...tust DU das?
Klar und deutlich Deine Meinung ausdrücken, Dich abgrenzen von Dingen, die Dir nicht zusagen, von Situationen und Menschen und Anforderungen?

Ich fürchte, ich kenne die Antwort.
Ich selbst würde nämlich wohl die gleiche geben. Sie lautet: Nein.

Wann verlernen wir das Nein?
Wann wird uns eingetrichtert, es sei besser und einfacher, im Leben vielem zuzustimmen, als deutlich Position zu beziehen?
Wie oft finden wir uns selbst in Situationen wieder, die uns so gar nicht zusagen – weil wir nicht rechtzeitig ‚Nein’ gesagt haben – wenn wir es denn überhaupt getan haben?

Ich ertappe mich selbst häufig dabei, ein klares ‚Nein’ zu umgehen, ganz unbewusst.
Ein kleines Beispiel des heutigen Tages? 
Mir wird Kaffee angeboten, den ich in dem Moment nicht möchte und was sage ich? ‚Danke’ – und meine doch: ‚Nein, aber es ist sehr nett, an mich zu denken, das freut mich.’

Wir nicken höflich und stumm, wenn wir jemanden nicht vor den Kopf stoßen möchten, obwohl wir seiner Meinung so gar nicht zustimmen können, wir seufzen und verdrehen (innerlich) die Augen, wenn wir um unmögliche Gefallen gebeten werden – und tun sie dennoch, denn wir wollen ja gemocht werden.

Wir sind häufig so sehr bemüht, anderen zu gefallen, dass wir das Wichtigste überhaupt vergessen – uns SELBST zu gefallen.

Denn zu uns selbst können wir ganz wunderbar Nein sagen.

‚Ich habe solche Lust auf eine heiße Badewanne – Nein, die Spülmaschine muss noch ausgeräumt werden!’

‚Den Abend würde ich furchtbar gern gemütlich mit einem guten Film auf dem Sofa verbringen – Vergiss es, die Verabredung mit Tim und Tina steht seit Wochen!’

‚Ich bin so müde...ob ich einfach mal früh ins Bett geh? Nein, denn um 21Uhr ruft ja zuverlässig diese Freundin an, genau, die mit dem  Liebeskummer...’

Ich denke, das reicht für’s Erste ;-).

Natürlich solltest Du jetzt nicht anfangen, Deine Freunde zu vernachlässigen. Sollte ich auch nicht.
Aber an und an, da sollten wir es uns gönnen, UNS SELBST zu verwöhnen, genau das zu tun, was UNS jetzt gerade in dem Moment gut tut.
Ohne Hintergedanken.
Einfach, weil es äußerst gesund ist, auch mal an sich selbst zu denken, weil wir ohne das gar nicht glücklich und ausgeglichen sein können - und auch niemandem wirklich helfen. Kraft geben. Oder Ausgeglichenheit.

Wie willst Du denn auch Kraft für die liebeskranke Freundin haben, wenn Du selbst Deine Akkus nie auflädst?
Wie willst Du einen sprühenden, unterhaltsamen Abend verbringen, wenn Du nicht auch ruhige Momente zulässt?
Eben.

Ein gut platziertes ‚Nein’, das ja nicht unfreundlich klingen muss, aber durchaus bestimmt daher kommen darf (und muss, denn sowohl Dein Gegenüber als auch DU sollen es ja ernst nehmen ;-) ), wirkt Wunder.
Für Dich.
Für Deine persönliche Freiheit.
Für Deine Grenzen.
Denn es sorgt dafür, dass Du selbst wie auch andere auf DICH Rücksicht nehmen.
Dich wertschätzen.
Genau, DU SELBST solltest anfangen, Dich wertzuschätzen.
Jetzt, sofort.
Wer denn sonst ;-)?

Ein ‚Nein’ ist nichts, was Deinen Gegenüber vor den Kopf stößt. Es ist keine Beleidigung oder Zurückweisung, egal, wie der Andere das sieht. Wichtig ist, wie Du die Botschaft abschickst – für den ‚Postweg’ kannst Du nichts.

Wird das jeder verstehen?

Sicher nicht.

Es gibt Menschen, die mit einem Nein nicht umgehen können, die Fragen als rhetorisches Mittel nutzen, auf das es nur eine einzige mögliche Antwort gibt: Ja.
Diese Menschen sind schrecklich geschickt darin, ihre Umwelt zu überfahren, sie zu vereinnahmen – und das oft ganz unabsichtlich, ohne böse Hintergedanken. Weil es schon immer so gut geklappt hat, sich so und nicht anders durchs Leben zu bewegen.
Diese Leute werden recht verständnislos reagieren.
Das ist aber nicht Dein Problem.

Es gibt auch die Gruppe von Menschen, die alles sehr, sehr persönlich nehmen und auch dieses Grüppchen wird sich mit einem Nein schwer tun. 
Sie wird eher beleidigt und verletzt reagieren und Dich das deutlich spüren lassen.
Aber, so hart es klingen mag, Liebes, auch das ist nicht Dein Problem. 
DU hast Dein Nein, Deinen Standpunkt klar, aber freundlich formuliert, was Dein Gegenüber daraus macht, dafür kannst Du nichts.
Das gehört nicht zu den Dingen, die DU beeinflussen und ändern kannst – und DAS ist doch die Gruppe, auf die wir beide uns konzentrieren wollen.

DU hast allein die Aufgabe, herauszufinden, klar zu formulieren und durchzusetzen, was für DICH richtig ist.
Was sich gut anfühlt.
Was DICH glücklich macht.
Das ist letztlich alles, was Du beeinflussen kannst.

Und weißt Du, was das besonders Schöne daran ist?

Wenn Du glücklich bist, wird es Deine Umwelt auch, quasi im Vorbeigehen, ganz automatisch.

Wenn Du strahlst, ja, wer sollte denn DA nicht mitlächeln?

Wenn es Dir gut geht, dann kannst Du leicht und kraftvoll und mit Freude ganz viel geben und all die Menschen um Dich herum haben etwas davon.
Viel mehr übrigens, als wenn Du Dich völlig aufreibst, weil Du das nicht hinbekommen möchtest, was jedes 2jährge Kind so mühelos beherrscht: Einfach mal Nein zu sagen.

Probier es aus, Du wirst erstaunt sein!

Also, zu was sagst Du Nein?

Liebst,
Sabine

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