Freitag, 10. Oktober 2014

Unterwegs in...der Vergangenheit

Ich bin immer wieder froh und glücklich und dankbar, dass ich in der heutigen Zeit in Europa lebe.
Für mich gibt es so wenige Grenzen zwischen Ländern und sie sind so leicht zu überwinden. Wahnsinn!

Besonderer Wahnsinn ist das, wenn Du bedenkst, dass das vor ein paar Jahrzehnten noch ganz anders aussah.
Dunkler, grauer, gruseliger.


Ein Ort, an dem sich dieser unfassbare Wandel besonders gut erfahren lässt, sind eigentlich viele Orte.
Eine Verteidigungslinie, von Frankreich zwischen den beiden Weltkriegen gebaut, um einen deutschen Überfall zu verhindern. Nun, wir beide wissen, wie die Geschichte dann weiterging.

Die Reste dieser gigantischen Verteidigungsanlage, der Ligne Maginot, die sich über hunderte Kilometer erstreckt, sind nur an wenigen Orten zu besichtigen.
Einer dieser Orte ist das Fort de Schoenenburg, eine riesige Bunkeranlage gleich hinter Wissembourg an der deutsch-französischen Grenze, nicht weit von Strasbourg entfernt.



Mitten im malerischen Wald liegt der Eingang zum Fort und die schöne Umgebung lässt kaum darauf schließen, welche Geschichte sich da unter der Erde verbirgt. Martialisch schaut der Eingang aus, unwirklich und fremd mitten in der Natur.
Und dann, dann geht es unter die Erde.
Und so richtig los.


Wieso Du Dir das anschauen solltest?
Liebes, ich werde nicht lügen, das Ganze ist nicht geeignet, beste Laune zu machen. Krieg ist grausam und beklemmend und schrecklich und genau das wird Dir unter der Erde in diesem feuchten Labyrinth aus Gängen klar. Und zwar an unzähligen Kleinigkeiten festgemacht klar.
Die Enge, in der die Soldaten da unten gehaust haben, der unerträgliche Lärm, dem die Ingenieure ausgesetzt waren, die enorme Organisation, die für nur einen einzigen, ‚normalen’ Tag nötig war.


Das Ganze ist kein Mahnmal, wie Du es vielleicht kennst, es geht nicht in erster Linie darum, den Gefallenen zu gedenken, an die Opfer des Krieges zu erinnern. Das ist wichtig, aber im Fort de Schoenenburg wird Dir eher klar, wie der Alltag im Krieg aussah, unter welchen Bedingungen die Menschen gelebt haben.
Und das ist, zumindest für mich, ein viel weniger abstrakter Zugang, sondern einer, der mich mitnimmt und mich schaudern lässt.


Und der mir, wenn ich wieder an der Oberfläche bin, in die Sonne hinaustrete und die frische Luft genieße, vielleicht mehr als alles andere verdeutlicht, wie gut es mir geht.
Heute, hier in Europa.
Ohne Grenzen und ohne Erbfeinde, dafür mit guten Nachbarn.
Und das ist dann das glückliche Ende der Besichtigung.

ET :-)!!                                                                                                                      

Wenn Du in der Nähe von Strasbourg bist und Zeit hast, solltest Du das Fort de Schoenenburg unbedingt besichtigen, das ist wirklich spannend, übrigens auch für nicht mehr allzu kleine Kinder.


Ich würde Dir die zu buchenden Führungen ans Herz legen, Du kannst die Anlage zwar auch auf eigene Faust besichtigen, die Führer aber hauchen mit ihren Geschichten aus dem Alltag unter der Erde dem, was Du siehst, sehr viel Leben ein.



Nimm auf jeden Fall feste Schuhe und eine warme Jacke mit, auch im Hochsommer wird es kaum mehr als 13°C warm!
Und wenn Du dann wieder in die Sonne trittst, dann denk an mich, Liebes ;-).

Wofür bist Du heute dankbar?

Liebst,
Sabine

1 Kommentar:

buntgestreifthuepfig hat gesagt…

Toll sieht das aus! (Naja, du weißt schon, wie ich das meine, hoffe ich.)

Ich denke, wir können wirklich sehr dankbar sein für die europäische Einheit, und dafür, dass wir in Frieden leben. Wenn ich die Nachrichten lese, bin ich jedes Mal wieder froh, dort geboren zu sein, wo ich es bin. Nicht im Kriegsgebiet, nicht in Armut, sondern hier. Da haben wir wirklich Glück gehabt.

Viele liebe Grüße
Nele