Freitag, 8. März 2013

Küchengedanken, Hefeteig und Bagels


Eins vorweg – ich habe mein Bageltrauma überwunden :-)!
Was das backen angeht, bin ich schrecklich verwöhnt, ich habe mit 10 Jahren meinen ersten Kuchen gebacken und seitdem ist mir alles gelungen.

ALLES.

Kein klitschiger Teig, der nicht durchgebacken ist, kein Salz, wo Zucker hingehört, kein Backpulver vergessen und auch keine Hefe, die einfach nicht aufgehen wollte.

Puh, Glück gehabt!

Trotzdem gab es eine Sache, die mir nicht so recht gelingen wollte, obwohl sich alle Rezepte kinderleicht lesen und ich die Teile einfach liebe – Bagels. Mal wurden sie zu hart, dann wieder zu klein, irgend etwas stimmte immer nicht, obwohl sie irgendwie dann doch noch gut geschmeckt haben.
Irgendwann habe ich das Bagelbacken aufgegeben.
Das hat sich heute geändert.

Gebäck aus Hefeteig liebe ich. Schon immer.
Es gibt für mich wenig Tröstlicheres, als einen fluffigen, fertig gegangenen Hefeteig noch einmal kurz durchzukneten, ihn zu formen und anschließend zu backen, zuzusehen, wie er aufgeht und dieser himmlische Duft die ganze Wohnung durchzieht. Hach, herrlich!
Backen ist für mich die reine Entspannung, ich komme zur Ruhe und meine Gedanken können sich friedlich auf die Reise machen.

Heute habe ich mich daran erinnert, wie das früher war, wenn ich meiner Oma (bei der ich Stunden verbracht habe) beim Backen zugesehen habe.
Backen, das war bei ihr immer ein Ritual, eine bestimmte Schürze wurde angezogen, die benötigten Zutaten säuberlich aufgestellt, eine spezielle Backunterlage auf dem Küchentisch ausgebreitet. Mit feierlichem Ernst wusch sie sich die Hände und dann ging es los.
Der Ernst war immer ein bisschen größer, wenn es an einen Hefeteig ging, die Stimmung für mich als Kind irgendwie, ich kann es nicht besser ausdrücken...feierlicher...und jede der Bewegungen meiner Oma schien auszudrücken „Was da alles schief gehen kann!“.

Ich habe mich jahrelang nicht an Hefeteig herangetraut.

Immer war mir dieses unausgesprochene und doch klar präsente „Was da alles schief gehen kann!“ präsent und obwohl ich mich beim Backen (und eigentlich auch Kochen) furchtlos an alles herantraue (Getreu dem Motto: Wer ein Rezept lesen kann, der kann auch kochen!), habe ich den Hefeteig gemieden. Ich habe ihn einfach links liegen gelassen und mich gefreut, wenn jemand anders ihn zubereitet hat.

Eines Tages dann habe ich ein Brotrezept mit Hefe gefunden, herrlich unkompliziert las sich das: Alle Zutaten in eine Küchenmaschine werfen, vermischen, gehen lassen, fertig.
Ich habe es ausprobiert und weißt Du was?
Es hat funktioniert.
Jedes Mal.
Seitdem bereite ich genau so Hefeteig zu: Alle Zutaten in eine Schüssel werfen, Küchenmaschine 10 Minuten kneten lassen, Ruhe gönnen, fertig.
(Wobei...ein paar Tricks gibt es schon, die werd ich in den nächsten Wochen mal posten)

Während ich dann heute in der Küche stand und an meine holperigen Hefeteiganfänge zurückdachte, kam mir der Gedanke, dass es genau so doch sehr oft im Leben läuft.

Wir sehen eine (vermeintliche) Herausforderung.

Wir zögern.

Wir trauen uns nicht.

Es könnte ja schief gehen.

Und dann, eines Tages, nehmen wir all unseren Mut zusammen, wir wagen es – und es ist GANZ LEICHT.

Und dann fragen wir uns selbst verwundert, wieso um alles in der Welt wir so lange gezögert haben, was uns eigentlich davon abgehalten hat, unsere eigenen Erfahrungen zu machen.

Etwa die Erfahrung anderer?

„Das ist zu schwer.“
„Wenn es schon xy nicht geschafft hat, wieso sollte es dann ausgerechnet MIR gelingen?“
„Da sind schon so viele dran gescheitert.“
„Das ist total schwierig, das sagen alle.“

Kennst Du?
Klar kennst Du das, in irgend einer Form sicher.
Ich auch.
Jeder von uns.

Es ist so einfach und bequem, Dinge nicht anzugehen. Weil wir davor zurückschrecken, weil sie schwierig erscheinen. Dann sind die Erfahrungen und gut gemeinten Ratschläge von Anderen doch DIE Entschuldigung, es nicht selbst auch noch zu versuchen.
Wozu auch, es könnte ja schief gehen.

Liebes, Du ahnst es – damit ist jetzt SCHLUSS!
Für mich, für Dich.

Wieso?

Nun...weil Du und ich, weil wir beide doch ganz genau wissen, was wir alles können. Genauer gesagt, dass wir alles können, was wir nur angehen. Ob wir es sofort beim ersten Versuch können oder nicht, das spielt keine Rolle. Ob wir es am Ende in Perfektion können ist auch egal. Wir KÖNNEN es.
Weil wir wissen, wie gut wir sind.
Wie geschickt.
Wie begabt.
Weil wir uns nicht mit den Anderen vergleichen.
Weil wir überhaupt damit aufhören, uns ständig zu vergleichen, ganz egal, ob mit Anderen oder mit dem überzogenen Bild von uns selbst, das wir als unerreichbares Ideal irgendwo tief in der Kramkiste im Kopf verstaut haben. Für die besonders selbstmitleidigen Tage.
Weil wir damit aufhören, uns selbst Grenzen zu setzen.
Weil wir statt dessen einfach mutig vorangehen, Dinge ausprobieren. Die Erfahrung lehrt uns ja, dass das, was wir anpacken, uns viel leichter gelingt, als wir dachten.

Denk mal darüber nach - es gelingt nicht nur, nein, es gelingt LEICHT.

Welchen Grund sollte es DA bitteschön noch geben, sich in irgendein Schneckenhaus zurückzuziehen und all die guten Dinge vorbeiziehen zu lassen, anstatt sie endlich anzugehen?

Genau.

Es gibt keinen.

Also, ran an Deinen ganz persönlichen Hefeteig! DU kannst das locker!!


Als kleine Wegzehrung könntest Du ja einen Bagel mitnehmen...oder zwei ;-).

Du brauchst für

Bagels




1 ¼ Cups = 375ml lauwarmes Wasser
1 Päckchen Trockenhefe
1 TL Agavensüße
3 ½ Cups = 500g Mehl (bei mir 350g Weizenmehl 812 & 150g Emmermehl)
1 ½ TL Salz
1 EL Sesamsaat, ungeschält
1 EL brauner Leinsamen
1 EL Weizenkleie
½ EL Kürbiskerne
Milch zum Bestreichen

Die Hefe mit der Agavensüße im Wasser auflösen und ein paar Minuten an einen warmen Ort stellen, bis sich ein Schaum gebildet hat (das zeigt Dir, dass die Hefe noch lebt ;-)).
In der Zwischenzeit die beiden Mehlsorten mit dem Salz vermischen.
Das Hefewasser zum Mehl schütten und in der Küchenmaschine etwa 10 Minuten kneten lassen, bis sich eine nicht mehr klebrige Teigkugel gebildet hat. (Bei mir war dazu noch ein weiterer EL Wasser nötig)
Den Teig abgedeckt eine Stunde gehen lassen.
Anschließend knetest Du den Teig noch einmal kurz durch und teilst ihn in 8-9 gleich große Stücke. Diese Stücke formst Du zu Bällen, in die Du mit dem Daumen ein Loch drückst. Die vorgeformten Bagels noch einmal 10 Minuten gehen lassen.
In der Zeit heizt Du den Backofen auf 220°C Ober-/Unterhitze vor und bringt in einem großen Topf Wasser zum köcheln.
Die Bagels werden nun in das heiße Wasser gelegt und zwar 45 Sekunden – 1 Minute pro Seite. Sie sollten dabei schwimmen. Mach das am besten in 2-3 Arbeitsgängen, der Topf wird sonst zu voll, die Bagels kleben aneinander...alles schon gehabt.
Die Teiglinge nun auf ein Backblech setzen, das mit Backpapier ausgelegt ist, mit ein bisschen Milche bestreichen und in die vorbereitete Saatenmischung drücken. (Du kannst die Saaten auch einfach darüber streuen, das hält aber erfahrungsgemäß nicht so gut)
Im Backofen brauchen die Prachtstücke nun noch etwa 20 Minuten und fertig sind sie, die Bagels!


Für diesen Versuch habe ich das Grundrezept von HIER genommen und ein bisschen abgeändert, wie Du siehst.


Alle Cupangaben (die Matroschkas sind eingeweiht :-) ) habe ich für Dich noch einmal nachgewogen. Die metrischen Angaben sind also das, was ich tatsächlich verbacken habe und stammen nicht aus Umrechnungstabellen.


Emmer ist eine uralte Getreidesorte, quasi der Urweizen. Ich habe dieses Mehl unter das Weizenmehl gemischt, weil Emmer besonders viel Eiweiß enthält. Das amerikanische Originalrezept verlangt ‚bread flour’, das es so hier in Europa nicht gibt und sich wohl durch einen hohen Eiweißanteil auszeichnet. Meine Variante hat den Bagels jedenfalls so gar nicht geschadet :-).




Und jetzt...ran an den Hefeteig oder was auch immer - Du kannst es!

Liebst,
Sabine

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