Freitag, 1. März 2013

Little Miss Perfect


Diese Woche habe ich mich mit einer lieben Freundin zum Kaffee getroffen. Neben vielen, vielen (hey, wir sind Mädchen ;-)!) anderen Dingen kamen wir beide irgendwann auf das leidige Thema Perfektionismus zu sprechen.
Auf unseren Perfektionismus, um ehrlich zu sein. Wir können das nämlich beide echt gut.

Und Du?

Kennst Du dieses ungute Gefühl, nie wirklich zufrieden mit Dir zu sein, wenn nicht alles, aber auch wirklich alles fehlerfrei und wie aus dem (selbstverständlich von Dir verfassten) Lehrbuch funktioniert – was im Grunde nie der Fall ist, denn wir sind Menschen und Menschen machen Fehler und leben auch nicht in einer großen Blase, abgeschottet vom Rest der Welt, das heißt, auch die Fehler Anderer können unser Script gehörig durcheinander bringen.

Nein?
Liebes, das ist großartig! Leg Dich entspannt zurück, Du brauchst diesen Post nicht wirklich, aber vielleicht ist es ja interessant für Dich, von diesen lustigen Verrückten zu lesen, die sich selbst und andere durchs Leben hetzen ;-).

Ja?
Liebes, wir schaffen das. Bestimmt. Irgendwann.

Ich frag mich häufig, woher dieser Drang, alles, aber auch wirklich alles perfekt machen und können zu wollen, kommt.
Meine Schwester hat ihn nicht, an der Erziehung kann es also schlecht liegen. Ist es wirklich so, dass einige Menschen mit diesem inneren Hamsterrad zur Welt kommen, das sie immer weiter laufen lässt, bis sie schlapp durch eben dieses Rad geschleift werden? Ist das ein kurioser Gendefekt? Wollten wir eigentlich Hamster werden?

Ich hab darauf keine Antwort.

Eins aber hab ich festgestellt: Wenn ich versuche, diese Seite von mir völlig abzustellen, dann habe ich noch mehr Stress.
Ich mag Herausforderungen.
Ich mag meine To-Do-Listen.
Ich mag es, organisiert zu sein. (...und bin es doch immer wieder so gar nicht, was zu kleinen bis mittelschweren Katastrophen führt und zu der Einsicht, dass Planung eben doch alles und ein guter Freund ist ;-).)
Ich mag es, in etwas richtig gut zu sein.

Was ich auch noch gelernt hab, bisher in meinem Leben?
Ich muss nicht alles perfekt können, um mich damit gut zu fühlen.
Wer den Perfektionismus nicht kennt, bei wem er nicht wohnt, der wird diesen Satz vielleicht nicht verstehen. Alle anderen schon. Es ist nämlich so, dass ein Perfektionist erst einmal nur Spaß an Dingen hat, die er perfekt kann. Bei denen er seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird. Womit auch immer sich diese Ansprüche begründen.

So kam es, dass ich lange Zeit nicht gezeichnet habe – ich bin nicht wirklich gut darin (zumindest nicht so gut, dass ich mit mir zufrieden wäre). Oder beim Tanzen total gehemmt war. Das hat bei allen anderen einfach immer viel besser ausgesehen. Und Sport...nein, den mochte ich nicht. Ja, auch, weil ich einfach keine Sportskanone bin (welcher Hamster eignet sich schon zum Sprint ;-)?), aber eben genau so sehr, weil ich nie gut darin war.

Irgendwann habe ich mich dann selbst gefragt, wieso ich mich von so Vielem fernhalte. Wieso ich mir Gedanken mache darum, ob meine ‚Leistung’ in diesem oder jenem Gebiet reicht. Wieso, um Gottes Willen, ich eigentlich immer eine LEISTUNG erbringen muss?!

Geht es echt darum?

Will ich zeichnen, weil ich etwas auf’s Papier bringen möchte, oder um mich an der Kunsthochschule zu bewerben?

Tanze ich, weil es einfach nur Spaß macht – oder bekomme ich Punkte dafür?

Bewege ich mich, weil es gut tut, oder werde ich benotet?

Eben.

Wieso also neigen wir dazu, in allem einen potentiellen Wettbewerb zu vermuten? Wieso vergleichen wir uns und unser Können andauernd mit dem der Menschen um uns herum?

Das ist ganz schön verrückt, wenn Du mal drüber nachdenkst, vor allem, weil jeder von uns einzigartig ist. Ja, das klingt abgedroschen, aber deswegen ist es ja nicht falsch.
Jeder Einzelne kann einige Dinge besonders gut, andere besonders schlecht und ist in anderen Dingen eher mittelprächtig begabt. Die Kombination unser Begabungen, Fähigkeiten und Interessen ist es dann, die UNS auszeichnet.
Mich.
Dich.
Die uns einzigartig macht.
Sicher, es gibt ganz bestimmt irgendwo noch jemanden wie mich, jemanden, der Sprachen liebt und darin richtig gut ist, der schreibt und fotografiert und backt und kocht und... – aber kann diese ‚andere Sabine’ auch meinen Neffen mit nur einem Blick zum Lachen bringen? Oder auf irgend einem Markt in Jordanien hemmungslos feilschen? Oder... Du verstehst, worauf ich hinauswill.

JEDER von uns ist etwas Besonderes, jeder ist einzigartig, jeder ist so wie er ist großartig.

DU bist großartig.
Und besonders.
Und einzigartig.
Glaub’s mir.

Wieso also vergleichen wir uns dann? Das ist ziemlich überflüssig und kann nur schlechte Laune machen. Denn irgendwen gibt es immer, der irgend etwas besser kann als ich. 
Muss ich mich deshalb schlecht fühlen? 
Nö :-)!

Und selbst, wenn unser Perfektionismus nicht aus solchen Vergleichen stammt, sondern nur vom ‚inneren Hamster’ diktiert wird - wieso haben wir so viel Freude daran, uns selbst unter Druck zu setzen? Uns selbst Aufgaben zu stellen, die immer ein kleines bisschen zu schwer sind? Die uns die Freude daran nehmen, etwas gut gemacht zu haben? Denn einfach nur ‚gut’, das reicht dem Perfektionisten nicht.

Wenn Du beim Lesen den Eindruck bekommst, dass Perfektionismus schnell etwas Zwanghaftes haben kann – stimmt ;-)!
Er ist auf der einen Seite extrem hilfreich, denn er lässt nicht zu, dass Du mitten in einer Arbeit aufgibst, dass Du nachlässt oder schluderig wirst. Er treibt Dich an. Das tut er aber auch ziemlich gnadenlos. Pausen machen, einfach mal nichts tun? Das ist wenig entspannend, wenn man sofort ein schlechtes Gewissen bekommt und gedanklich die noch ausstehende To-do-Liste durchgeht.

Und jetzt?

Ich habe für mich schlicht erkannt – es kommt, wie bei eigentlich allem im Leben, auf die Dosis an.
Etwas Perfektionismus ist Gold wert. Zu viel dagegen...und die work-life-balance ist nicht mehr vorhanden.

Was ich mit der Erkenntnis mache?

Ich schau mir den Hamster noch mal genauer an.
Es stimmt, der rennt nachts gern wie blöd durch sein Laufrad, strampelt sich ab und bringt vollen Einsatz. 
Das kann er aber nur, weil das gute Tierchen die Tage völlig verschläft. 
Weil er sich Pausen gönnt. 
Weil er frisst, wenn er hungrig ist und trinkt, wenn er durstig ist. 
Kein Hamster der Welt würde vor lauter Flitzen durchs Laufrad vergessen, zu essen. Sollte ich also vor lauter Arbeit auch nicht.

Und so übe ich mich jeden Tag aufs Neue und mehr oder weniger geduldig darin, einfach PERFEKT UNPERFEKT zu sein.
Pausen zu machen, wenn mein Körper sie braucht. 
Oder mein Kopf. 
Oder mein Sozialleben.
Die richtigen Prioritäten zu setzen.
Mich auch mal auszuruhen.
Genießen, nichts zu tun.
Denn nur dann hab ich die Kraft, mich auch wieder in mein geliebtes Hamsterrad zu schwingen und wild ein paar Stunden/Tage/Wochen/Monate (hey...ich übe ja noch ;-)!) zu rennen.

Wie machst Du das mit dem Hamsterrad?

Liebst,
Sabine

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